3D-Druck Wolkenliebe – vom “Männerspielzeug” zum Kleingewerbe

Wie viele von euch wahrscheinlich schon von Instagram wissen, habe ich eine spezielle Verbindung zu Wolken – Stichwort: Wokenliebe – sie sind so locker, leicht, immer anders und individuell und sie haben für mich etwas von Freiheit und Leichtigkeit. Ich kann stundenlang Wolken beim Vorüberziehen zusehen oder verschiedene Formen in sie hinein interpretieren. Ich mag ihre Form, dieses Runde und weiche, keine harten Ecken oder Kanten, das hat etwas sanftmütiges. Ja OK, bei all dem Philosophieren, den Regen der aus manchen von Ihnen kommt, den mag ich nicht sonderlich gern – nur im Sommer, bei 30 Grad, wenn der Asphalt nach dem Regenguss diesen ganz eigenen Duft annimmt – oopsie, ich schweife schon wieder ab.

All das hat jetzt allerdings gar nicht so viel mit dem eigentlichen Thema zu tun, ich habe mich nur etwas in Euphorie geschrieben, wie immer wenn ich von etwas begeistert bin.

Heute wollte ich euch ein bisschen was zum Thema 3D-Druck und meinem kleinen Dawanda-Shop erzählen und wie das alles so kam.

Im Herbst 2014 kaufte sich mein Alltagsheld nach jahrelangem hin- und her einen 3D-Drucker. Von mir hörte er im Vorfeld seiner Überlegungen daher ziemlich oft: “Brauchst Du den wirklich? Was wenn er – nach der ersten Anfangseuphorie – bloß wieder ungenutzt rumsteht und einstaubt?” Ihr dürft mir glauben, diese Frage ist nicht unberechtigt; würdet ihr sein Arbeitszimmer kennen und die diversen elektronischen Gerätschaften (von mir manchmal liebevoll “Männerspielzeug” genannt ;-)), die sich in jenem befinden. Noch dazu sind diese Dinger jetzt nicht gerade ein Schnäppchen.

Wie dem auch sei, eines Tages hatten wir einen neuen technischen Mitbewohner. Der Eine von uns voller Euphorie, die Andere immer noch skeptisch ;-).

Um unsere Geschichte, wie es mit dem Drucker weiterging zu erzählen, haben wir ein bisschen (un)nützes Wissen zum 3D-Druck, wie das alles funktioniert und wie es letztendlich zum Kleingewerbe kam mal aufgeschrieben*:

Erstmal muss man wissen, dass der 3D-Drucker eigentlich nicht druckt, zumindest nicht im herkömmlichen Sinne einer Druckmaschine. Kein Papier, kein Toner und keine Tinte ;-)

Der 3D-Drucker, zumindest so einer wie wir ihn verwenden, verwendet das sog „Fused Deposition Modelling“ Verfahren.

„Äh wie jetzt??“

Man kann sich das ungefähr so vorstellen, wie eine computergesteuerte Heißklebepistole: Hinten kommt Plastik rein, das wird in einer Düse heiß gemacht, und kommt vorne als Wurst mit der Konsistenz von Zahnpasta wieder raus. Der Computer steuert die Wurst so, dass Bahn für Bahn und Schicht für Schicht ein Wolkentablett oder ein Wolkenuntersetzer entsteht.

„Ah das ist ja einfach“ – so ungefähr lief das ab, als der Alltagsheld mir das erste Mal davon erzählt hat. „Dann kannst Du mir doch ein Wolkentablett (OK, vor dem Tablett gab es noch ganz schlichte Wolken zum hinstellen – aber die waren mehr so zum ausprobieren) drucken“. Die Ideen sprudelten nur so aus mir heraus.

Tja, was ich nicht bedachte waren die Feinheiten. Erstmal mußte der Alltagsheld im 3D-Zeichenprogramm meine Idee umsetzen. („Nee, doch nicht so! Soo hab ich das gemeint!“ Und es blieb nicht bei einem “Nee!” ;-)). Dann einmal drucken und…

… und …

… warten …

“… aahh! Yeah! Das Teil ist fertig, dauert ja ganz schön lang…” Ein einfacher kleiner Wolkenuntersetzer braucht schonmal zwei, drei Stunden, ein Wolkentablett gerne acht. Nix mal eben was drucken.. Andererseits – wenn man sowas fertigen lassen würde, dann müssten wir mindestens ein paar Tage, wenn nicht Wochen warten!

Ehrlich gesagt ist das auch ziemlich wichtig, denn die Erfahrung hat gezeigt, bis mich Perfektionisten ein Teil mal zufriedenstellt, muss der Alltagsheld wieder und wieder (und wieder und wieder ;-) ans “Zeichenbrett”, hier ein Detail ändern, hier dafür sorgen, dass die Qualität höherwertig wird usw. Bei jeder kleinen Änderung eine Woche warten, wäre da ein K.O. Kriterium! Stichwort Qualität: Man sieht den Teilen ihre Herkunft an, 3D-Druck sieht nun mal anders aus als Spritzguss. Aber so ist das ja bei einem aus Holz gefertigten Teil auch, es sieht anders aus als ein tiefgezogenes Blechteil – jede Fertigungsmethode hat ihren ganz eigenen Charme!

Genauso verhält es sich mit den Materialen – wie ihr seht, schafft es nicht jedes Material in den Shop. Es gibt so viele verschiedene, aber für stijlleben muss es nicht nur farblich passen (Orange?! Ähem – Alltagsheld mags.), es muss z.B. auch spülmaschinenfest und lebensmittelecht sein (auch wenn bei uns nicht der gesamte Herstellungsprozess lebensmittelecht zertifiziert ist). Der Großteil der Materialien, die im Shop zu finden sind, sind aus „Amphora“ Co-Polyester, mit der Ausnahme der Holz-Produkte; hierbei handelt es sich um feine Holzspäne in einer PLA Matrix (ähnlich wie die Rückwände von Ikea-Möbeln ;-)

Und so haben wir nun aus stijlleben eine richtige kleine Firma mit Online-Shop gemacht, mit Design-Abteilung, Marketing, Accounting, PR, Qualitätssicherung (Ich), Ingenieurbüro und Produktion (Alltagsheld).

Der 3D-Drucker läuft aber natürlich nicht nur für stijlleben, in unserer Wohnung findet sich Allerlei Wohnaccessoires, die wir für uns entworfen und hergestellt haben, von Garderobenhaken über Klorollenhalter, bis hin zu kleinen Lampen-Adapterstücken. Obwohl er als Spielzeug ins Haus gekommen ist, ist der 3D-Drucker bei uns im Alltag angekommen.

*Ein mega dickes Dankeschön geht an dieser Stelle auch an den Alltagshelden, der die technischen Fotos gemacht hat (der Drucker steht ja bei ihm in den Niederlanden) und sich allergrößte Mühe gegeben hat, die technischen Details so wunderbar anschaulich darzustellen.

Becher: Sostrene Grene, Teeei: Normann Copenhagen, Tabletts und Untersetzer: stijlleben

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